Der Rebound-Effekt wird nach wie vor unterschätzt!
In ihrem aktuellen World Energy Outlook geht die Internationale Energie Agentur von einem Rebound-Effekt durch politische Energieeffizienzmaßnahmen von lediglich 9 % aus, ohne zwischen den verschiedenen Ausprägungen des Rebound-Effektes zu unterscheiden. Diese Behauptung führte zu einem Aufschrei und Unverständnis in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Obwohl die Festlegung auf zumindest eine Bandbreite des Ausmaßes von Rebound-Effekten in der Tat schwierig ist, ist man sich in den verschiedenen wissenschaftlichen Studien einig: 9 % werden der Realität nicht gerecht! Der Gedanke, dass technische Effizienzsteigerungen alleine ausreichen, um den Energieverbrauch zu senken und Emissionen einzusparen ist zwar verführerisch, aber unter Umständen fahrlässig und nicht zielführend.
In der durch das ÖIN erstellten Studie „Linking Low Carbon Technologies with Low Carbon Society“ , die im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie durchgeführt wurde, konnte der Stand der Forschung zu Rebound-Effekten dokumentiert, eine Rebound-Systematik erstellt und Empfehlungen für die Technologiepolitik abgeleitet werden.
Eine exakte Aussage über das Ausmaß des Rebound-Effektes in seinen verschiedenen Ausprägungen ist zwar schwer zu treffen, jedoch kann nach umfangreicher Untersuchung der wissenschaftlichen Publikationen von einem gesamtwirtschaftlichen Rebound-Effekt in der Höhe von 50 % ausgegangen werden. Demnach werden mittel- bzw. langfristig mindestens 50 % der technisch möglichen Einsparungen durch Rebound-Effekte vernichtet. Neben der Installation effizienzfördernder politischer Rahmenbedingungen ist es deshalb äußerst wichtig, Rebound-Effekte in diesen politischen Effizienzstrategien bereits explizit zu berücksichtigen, um eine Verfehlung der rein technischen Effizienzziele zu vermeiden.
In der Studie des ÖIN wird auch berücksichtigt, dass Rebound-Effekte in Teilbereichen positive gesellschaftliche Auswirkungen haben können. Bevölkerungsschichten, denen aufgrund ihrer Einkommenssituation der Zugang zu verschiedenen Energiedienstleistungen bisher nicht oder nur beschränkt möglich ist, kann dieser Zugang zum Beispiel erst durch Kostensenkungen infolge Effizienzmaßnahmen ermöglicht werden. Daher wurde vorgeschlagen, im öffentlichen Diskurs den neutralen Begriff Rebound-Management anstelle der bloßen Rebound-Verminderung zu verwenden, um diese positiven Auswirkungen auch anzuerkennen. Damit geht auch eine Diversifizierung der Instrumente des Rebound-Managements einher, die allen seinen Ausprägungen gerecht wird.
Der Endbericht “Linking Low Carbon Technologies with Low Carbon Society” steht zum Download zur Verfügung:
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